Christoph Martin Wieland (1733 - 1813)
Übersetzerpreis
Das reiche schriftstellerische Werk, das Christoph Martin Wieland seit etwa 1750 und bis zu seinem Tod im Jahre 1813 verfasst hat, machte ihn zu einem der meistgelesenen und geschätztesten Autoren seiner Zeit. Geboren in einem Pfarrhaus in Oberholzheim, verlebte er seine ersten Jugendjahre in der schwäbischen Reichsstadt Biberach an der Riß, besuchte daraufhin die Internatsschule Kloster Berge bei Magdeburg und reiste im Alter von fünfzehn Jahren nach Erfurt, um dort Philosophie zu studieren. Der Versuch, ein Studium der Jurisprudenz an der Universität Tübingen zu absolvieren, scheiterte an der tiefen Abneigung, die Wieland gegen den Universitätsbetrieb und das Lehrangebot fasste.

Als außerordentlich begabter und belesener Jüngling, der schon bald begann, sich systematisch eigenen literarischen Arbeiten zu widmen, empfahl sich Wieland zu Beginn der 1750er Jahre dem Zürcher Gelehrten Johann Jakob Bodmer, der zugleich das Haupt der sogenannten „Schweizer Dichterschule“ war. Während seines Aufenthalts bei Bodmer von Oktober 1752 bis Sommer 1754 verfasste Wieland eine Reihe von christlich-moralischen Versdichtungen in Hexametern. So schrieb er in dieser Zeit für Bodmer eine Auftragsarbeit, in der er die biblische Geschichte von Abraham und seinem Sohn Isaak in 246 Versen erzählte.

In Zürich kam Wielands enorme literarische Produktivität in Gang, die bis zum Tod des Dichters im Jahre 1813 in Weimar niemals mehr abreißen sollte. Wirkliche Berühmtheit und Popularität erlangte Wieland jedoch erst, als er nach seinem Aufenthalt in Bern, wo er zeitweilig als Hauslehrer tätig gewesen war, wieder in seine Heimatstadt Biberach zurückgekehrt war. In seiner Biberacher Zeit von 1760 bis 1769 blieb Wieland neben dem politischen Amt als Senator und Kanzleiverwalter genug Muße, um erste, bedeutende Werke zu verfassen: Übersetzungen von Dramen William Shakespeares, den satirischen Roman „Der Sieg der Natur über die Schwärmerey oder die Abentheuer des Don Silvio von Rosalva“, die „Comischen Erzählungen“, die beiden Bände des ersten deutschen Bildungsromans „Geschichte des Agathon“ und die beiden Versepen „Idris und Zenide“ sowie „Musarion oder die Philosophie der Grazien“. Johann Wolfgang von Goethe äußerte sich im Alter mit Anerkennung über Wielands literarischen Leistungen: „Wielanden verdankt das ganze obere Deutschland seinen Stil“ – einen Stil und Wortschatz, die großen Einfluss auf seine Zeitgenossen ausübten und in der Literatur bis heute fortleben.

Als Wieland im März 1769 als Professor der Philosophie an die Universität Erfurt berufen und zum Kurmainzischen Regierungsrat ernannt wurde, gelang es ihm schon bald, mit dem Weimarer Hof in Kontakt zu treten. Die Weimarer Regentin Anna Amalia war nach der Lektüre von Wielands Roman „Der goldne Spiegel“ (1772) bestrebt, den mittlerweile berühmtesten Autor Deutschlands als Erzieher für ihren Sohn Carl August zu gewinnen. Wieland nahm seine Aufgaben als Lehrer der beiden Söhne von Anna Amalia bis 1775 sehr gewissenhaft wahr, zog sich aber mit Ende dieser Unterrichtstätigkeit in den Kreis seiner ständig wachsenden Familie zurück: Er und seine Frau Anna Dorothea hatten insgesamt vierzehn Kinder, von denen neun das Erwachsenenalter erreichten.

Als Aufklärer und Denker ersten Ranges hat Wieland während seiner Weimarer Zeit ein umfangreiches literarisches Werk in nahezu allen gängigen Genres geschrieben; er trat ebenso mit einer kaum überschaubaren Vielzahl von politischen, philosophischen, kulturgeschichtlichen, philologischen, ästhetischen und wissenschaftlichen Essays hervor. Seine Übersetzungen aus dem Griechischen (Lukian) und Lateinischen (Cicero, Horaz) haben auch heute nichts von ihrer Frische verloren. Wielands Werke wurden ihrerseits in nahezu alle Weltsprachen übersetzt und von bedeutenden Künstlern und Komponisten adaptiert.

Am Mittwoch, dem 20. Januar 1813 starb Wieland gegen Mitternacht. Sein Leichnam wurde im Garten seines Anwesens in Oßmannstedt – eines alten Rittergutes an der Ilm, wo er von 1797 bis 1803 gelebt hatte – an der Seite seiner Frau bestattet.

 

 

 

 

 

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Titelblatt von „Shakespeare Theatralische Werke”, übersetzt von C. M. Wieland
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Oßmannstedt
Christoph Martin Wieland, Ölgemälde von Georg Oswald May, 1779